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Grundsatzfrage zu Fehlortungen

    • Frage
  • Guido Richter
  • 4. Mai 2012 um 02:03
  • Erledigt
  • Guido Richter
    Gast
    • 4. Mai 2012 um 02:03
    • #1

    Hi Leute,

    mir ist schon oft aufgefallen, dass bei sonst gewitterlosen Wetterlagen vereinzelte Fehlortungen mitten im Nirgendwo stattfinden. Ich habe diese Ortungen mal in Google Earth untersucht und konnte keinen Zusammenhang mit Industrie o.Ä. feststellen. Jetzt die Frage, ob bekannt ist, woher diese Ortungen kommen? Immerhin müssen das ja energiereiche Impulse sein, die zudem von mehreren Stationen geortet werden. Sie müssen also nach meinem Laienverständis eine erklärbare, wenn auch unbekannte Quelle besitzen.

  • tobi
    Gast
    • 4. Mai 2012 um 10:37
    • #2

    Dazu sollte ich mal etwas ausholen:

    Bei dem Wort "Fehlortung" zuckt Egon wahrscheinlich inzwischen immer zusammen :D . Der Hintergrund: Seit Ende März ist ein verbesserter Algorithmus für die Berechnungen im Einsatz, welcher deutlich weniger Fehlortungen produziert. Diesen haben Egon und ich in Zusammenarbeit entwickelt, nachdem ich ihm dazu etliche Mails mit Fallbeispielen geschickt habe (sprich: ich habe ihn wohl ziemlich genervt 8) ). In den Wochen zuvor habe ich dafür etliche Fehlortungen untersucht - mit MyBlitzortung geht das glücklicherweise recht einfach.

    So gut wie alle Fehlortungen resultieren wirklich aus Blitzsignalen. Dummerweise erzeugt ein Blitz nicht einfach einen schönen eindeutigen Impuls, sondern irgendein "Kauderwelsch", um es mal ganz salopp auszudrücken. Davon erzeugt der Blitz oft mehrere hintereinander. Je weiter die Strecke ist, die dieses Signal zurücklegt, desto mehr wird es "verwaschen" - das nennt man (Wellen-)Dispersion. Dann gibt es noch Reflexionen an der Ionosphäre, die sich je nach Tages und Nachtzeit sowie anderen Faktoren wie Sonnenaktivität und Himmelsrichtung des Signals unterschiedlich auswirken können.

    Nebenbei: Hier wird beispielsweise das Phänomen beschrieben, welches entsteht, wenn obiges ganz extrem ist: Wikipedia: Whistler. Herr Friese, unser Antennenlieferant, ist ein Experte für diese Sferics und deren Empfang.


    Ein Beispiel einer Fehlortung:

    Der Inhalt kann nicht angezeigt werden, da du keine Berechtigung hast, diesen Inhalt zu sehen.

    Das Bild zeigt die Signale einer Ortung, wobei es sonst in der Gegend keine Gewitter gab. Die Signale der Stationen spielen sich insgesamt in ähnlichen Frequenzbereichen ab (die Spektren habe ich weggelassen, da sieht man es etwas besser; Station in München bitte ignorieren). Die nächste Station ist nur 39km entfernt. Hier würde man wegen der kurzen Entfernung viel stärkere und hochfrequentere Impulse erwarten. Das Signal dieser Station hat aber nur niederfrequente Anteile. Der tatsächliche Ursprung war wahrscheinlich ein Blitz ganz weit weg, vielleicht tausende Kilometer irgendwo im Atlantik. Das ist typisch für die Uhrzeit, da die Signale dann sehr weit kommen. Das Meer ist zudem ein viel besserer Leiter. Durch Reflexionen an der Ionosphäre wird die Signalform drastisch verändert. Das Resultat ist dann die Fehlortung, der Ort ist purer Zufall. Insgesamt ist das alles eine Wissenschaft für sich.

    Es gibt noch diverse andere Möglichkeiten wie Fehlortungen zustande kommen, z. B. ganz vereinzelt durch Stationen mit den GPS-Plopps bei Firmware <29 oder durch das "Dazwischenfunken" einer einzigen Station. Es ist mit unserer einfach Hardware nicht so einfach möglich, Fehlortungen komplett auszuschließen. Da wird es in Zukunft sicher noch Verbesserungen an der Hardware geben. Dummerweise hat der Tag nur 24 Stunden.


    Bislang wurden im Mai fast 80.000 Blitze geortet. Wenn man sich die Blitze im Satellitenfilm ansieht, dann erkennt man nur ganz selten Fehlortungen, also Blitze wo keine Wolke ist. Wahrscheinlich liegt die Anzahl im Promillebereich.

    Zur Untersuchung einer (Fehl-)Ortung kann man folgendermaßen vorgehen: Als angemeldeter Benutzer in der Hauptkarte von MyBlitzortung Rechtsklick auf den Blitz (ggf. heranzoomen). Dort den Blitz ggf. noch aus der Liste anwählen (auf die Zeit klicken). Mit dem winzigen Link "Zeige alle Signale" erreicht man dann oben gezeigtes Bild mit den Signalen, vorausgesetzt die Ortung fand in den letzten 24h statt.

  • Guido Richter
    Gast
    • 5. Mai 2012 um 21:40
    • #3

    Danke für die ausführliche Antwort! Im Übrigen sollte dies keinerlei Kritik darstellen, es geht nur um das technische Verständnis, wie ein Signal, was nicht dort entstanden ist, wo es berechnet wird, den Weg ins System findet. Bis auf den physikalischen Mystery-Faktor, für dessen Klärung man vermutlich studiert oder ein Forschungsprojekt haben muss, hast du das ja erklärt ;)

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