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Rekordjahr - Wer ist schuld?

    • Allgemein
  • MP3chris2712
  • 27. Oktober 2005 um 00:20
  • MP3chris2712
    Wettermelder + Feuerwehrmann
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    • 27. Oktober 2005 um 00:20
    • #1

    Die Hurrikan-Saison 2005 in der Karibik und Nordamerika ist noch längst nicht vorbei, aber schon jetzt hat diese Rekord-Saison mit bisher 22 Tropenstürmen und 12 Hurrikans seit Juni die USA verändert.

    Die verheerenden Stürme haben nicht nur viele Opfer gefordert, Millionen in die Flucht getrieben und über 200 Milliarden Dollar (166 Milliarden Euro) Schaden angerichtet. Deutlich wurde auch, dass die scheinbar vom Himmel gesandten Naturgewalten sehr viel mehr mit Menschenwerk zu tun haben als manchen mächtigen Politikern lieb sein kann.

    Höchst umstritten ist zwar, ob eine weltweite Klimaerwärmung etwas mit der verstärkten Hurrikan-Tätigkeit dieses Jahres zu tun hat. Hurrikanforscher Kevin Trenberth vom UN-Klimabeirat gehört mit seinem Vorwurf, Umweltverschmutzung bewirke auch die Zunahme tropischer Stürme, eher zu einer Minderheit der Wissenschaftler. Die Mehrheit verweist auf die 25- bis 40-jährigen Zyklen von abwechselnd eher ruhigen und besonders intensiven Hurrikan-Phasen. Dennoch hat diese Diskussion eine kritische Auseinandersetzung über den größten Umweltsünder der Welt, die USA, auch im eigenen Land neu entfacht.

    Kaum einen Zweifel gibt es, dass nicht die schiere Gewalt der Hurrikans die Zahl der Opfer und Flüchtlinge, das Ausmaß des Leids und des Sachschadens bestimmt. Entscheidend sind vielmehr die Vorbereitung auf die Naturgewalten, Planung und Organisation der Hilfsmaßnahmen und die Entscheidungen der Verantwortlichen vor Ort und in Washington. Drei besonders starke Hurrikans - zeitweise der höchsten Kategorie fünf - belegten, wie unterschiedlich die Folgen sein können.

    "Katrina" richtete Ende August in Louisiana und Mississippi eine Katastrophe an: über 1300 Menschen starben, Hunderttausende mussten fliehen, 160 000 Häuser waren nicht mehr zu reparieren, der Gesamtschaden wird auf mehr als 130 Milliarden Dollar (108 Milliarden Euro) geschätzt. Ein eklatanter Mangel an Vorsorge - insbesondere beim Ausbau der Deichsysteme in New Orleans - sowie mangelhafte Planung und Koordination der Hilfsmaßnahmen führten zu Bildern des Elends und der Verzweiflung, wie sie die USA aus dem eigenen Land kaum gesehen hatten.

    "Rita" hatte im September nicht weniger Urgewalt und richtete dennoch weit weniger Schaden an. Dämme hielten, Texas, - im Zentrum des Hurrikans - war sehr viel besser gerüstet, die US- Katastrophenbehörde Fema hatte sich rasch umstrukturiert. Etwa 100 Menschen starben, der Schaden wurde auf acht Milliarden Dollar beziffert.

    Der jüngste Hurrikan "Wilma" tobte zwar acht Stunden über Florida - aber dieser Bundesstaat war nicht nur nach den Worten seines Gouverneurs Jeb Bush angesichts der großen Erfahrung mit Hurrikans gut gerüstet. Strenge Bauvorschriften in vielen Küstenorten verhinderten, dass diesmal, wie früher ganze Häuserzeilen abgetragen und kleine Badeorte fast völlig zerstört wurden. Unmengen von Hilfsmaterial und Rettungskräfte standen bereit, um gerüstet zu sein.

    Bisherige Bilanz nach einem an sich verheerenden Hurrikan: einige Tote, viel Zerstörung, einige Milliarden Dollar an Schäden - aber ein vergleichsweise glimpflicher Ausgang angesichts eines Sturms, der über der Karibik als der stärkste jemals gemessene Hurrikan gilt.

    Vor allem "Katrina" und ihre Folgen haben die USA aufgerüttelt. Nicht nur wurden das völlige Fehlen geeigneter Vorsorgemaßnahmen in Louisana sowie das Missmanagement des Zivilschutzes offenbar, seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 eines der Lieblingsthemen von US-Präsident George W. Bush. Die Bilder der allein gelassenen, verzweifelten, überwiegend schwarzen Flüchtlinge nach den Deichbrüchen von New Orleans demonstrierten aller Welt die krassen Gegensätze im reichen Amerika. Armut und Rassendiskriminierung werden nun zunehmend Thema der oppositionellen Demokraten - noch nie war Bush so sehr politisch in der Defensive, wie seit den Katastrophen nach den Hurrikans.

    Zu sehr wurde allen Amerikanern vor Augen geführt, wie wenig perfekt "Gottes eigenes Land" ist.

    Harzliche Grüße aus Braunlage - Oberharz 600m ü.NN
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